Pädagogische Schwerpunkte

"Man muss das Kind nicht nur verstehen, man muss auch fühlen wie ein Kind,

mit ihm leiden, die Welt mit Kinderaugen anschauen,

seine Position einnehmen, man muss in das Wunderland des Kindes eindringen.

Man muss ein Kind werden, während man erwachsen bleibt."

Janusz Korczak (aus Eltern 05/2012)

 

Ich habe bereits vieles gelesen und auch vieles in der Schule während meiner Ausildung gelernt, aber das Meiste habe ich durch meinen Sohn gelernt. Es gibt einfach nichts Schöneres auf der Welt als ein glückliches Kind zu haben! 

Liebevolle Erziehung - "In Liebe wachsen"

"In Liebe wachsen" ist nicht nur meine persönliche Einstellung zum Umgang mit Kindern, sondern auch der Titel eines Buches, das mich sehr fasziniert und mich in meiner Einstellung unterstützt hat. (Hier der Link: In Liebe wachsen)

Mir ist es wichtig, die Bedürfnisse der Kinder ernst zu nehmen und ihnen mit Respekt entgegen zu treten. 

Ich bin selbst eine Stillmama (was natürlich nicht heißen soll, dass Flaschenmilch schlecht ist), ich trage meinen Sohn noch häufig im Tragetuch, er schläft im Familienbett und ich nehme seine Bedürfnisse ernst. Ich bemühe mich ihm die Sicherheit zu geben, die er braucht um sich gut zu entwickeln. Natürlich sind auch Regeln und Grenzen wichtig und logische Konsequenzen - aber alles altersentsprechend und sinnvoll.

Diese Einstellung vertrete ich auch bei meinen Tageskindern. Jedes wird liebevoll aufgenommen, akzeptiert wie es ist und die Bedürnisse werden ernst genommen.

Wenn das Kind weiß, dass es angenommen ist und lieb gehabt wird, kann es sich gut entwickeln und wird auch gerne zu mir kommen. Die Sicherheit geliebt zu werden, egal was auch passiert, ist sehr wichtig für die Kinder. Das gibt den Kindern den Freiraum sich zu entfalten, neue Dinge auszuprobieren und ihr Können zu testen. So entwicklen sie sich zu selbstständigen Menschen mit einem gesunden Selbstwertgefühl.

Rituale - Struktur

Durch meine langjährige Arbeit in Kindergärten und -krippen konnte ich viel Erfahrung sammeln. Z. B. wie wichtig feste Rituale und ein geregelter Tagesablauf vor allem für kleine Kinder sind. Sie können noch keine Uhr lesen und vermissen die Eltern sehr und das ohne zu wissen, wann und ob diese wiederkommen. Dass die Eltern verlässlich wiederkommen zeigt den Kindern ein festes Ritual, wie z. B. nach dem gemeinsamen Aufräumen kommt die Mama wieder.

Es fällt den Kindern auch leichter einzuschlafen, wenn sie wissen, wann denn nun Schlafenszeit ist. Bei uns wird nach dem Mittagessen gewaschen und gewickelt. Wir vermeiden es laut zu sprechen. Dann geht es ins Schlafzimmer und wir sagen "Gute Nacht Welt", indem wir den Rollo runterlassen und den Marienkäfer anmachen, der Sterne an die Decke projeziert. Ich lese ein kurzes Buch vor. Die Spieluhr spielt leise ein Schlaflied, während alle Kinder sich in ihr Bett legen und (hoffentlich bald) ruhig einschlafen. Ich bleibe bei den Kindern, bis alle schlafen. Wer noch gekuschelt werden möchte, wird natürlich gekuschelt und gestreichelt. Manchmal singe ich auch noch ein Lied.

Wenn ein Kind mal nicht mit den anderen schlafen will oder kann, hat es auch die Möglichkeit im Kinderwagen oder auf der Couch im Spielzimmer zu schlafen. Und wer gar nicht müde ist, darf leise weiter spielen. Ziel ist es aber, dass alle Kinder in ihrem Bett einschlafen können und das auch gerne tun!

Solche Rituale begleiten uns den ganzen Tag und zeigen den Kindern, was als nächstes kommt, sei es essen, schlafen, raus gehen oder Abholzeit.

Bindung - Eingewöhnung - Bindungstheorie nach Bowlby

Eine gute und sichere Bindung zu den Bezugspersonen ist sehr wichtig für das Kind. Nur wenn das Kind eine stabile Bindung (in den meisten Fällen zu den Eltern) hat, kann es eine weitere, sichere und gute Bindung eingehen, wie z.B. zur Tagesmutter. 

Deshalb ist für mich die Beziehung zu den Eltern sehr wichtig. Die Kinder sollen die positive Atmopshäre spüren und wissen, dass man sich gut versteht. Um dieses gegenseitige Vertrauen zu erlangen, benötigt es Zeit. Deshalb ist für mich die Eingewöhnungsphase sehr wichtig. Das Kind und eine Bezugsperson besuchen mich ab ca. 6 Wochen vor Betreuungsbeginn mehrmals die Woche. Die Zeitspanne, in der das Kind bei mir ist, steigert sich im Laufe der Zeit und auch die Zeit mit der Bezugsperson wird weniger. Aber diese Stunden, in denen die Mutter oder der Vater das Kind begleitet, geben dem Kind und auch den Eltern viel Sicherheit. Die Eltern sehen so, dass es ihrem Kind gut geht, dass es Spaß hat und auch, wie ich mit den Kindern umgehe. Das Kind lernt, dass die Eltern die Situation gut finden, dass sie damit einverstanden sind, dass ihr Kind dort ist und dass sie die Tagesmutter unterstützen und respektieren. Das Kind lässt die Tagesmutter als Bezugsperson zu, wenn die Eltern dies akzeptieren und unterstützen. 

Wie lange die Eingewöhnungsphase ist, ist von Kind zu Kind unterschiedlich und es ist wichtig, dass sich das Kind diese Zeit nehmen darf. Nur so kann ein Übergang zur Tagesmutter gut gelingen.

"Während John Bowlby auf der Grundlage seiner empirischen Befunde strikt die These vertrat, dass für den Aufbau einer stabilen Bindung die Beziehung des Kindes zu einer zentralen Bindungsperson konstitutiv sei, haben neuere Forschungen gezeigt, dass Kindern ein solcher Bindungsaufbau auch dann gelingt, wenn gleichzeitig Beziehungen zu mehreren Bindungspersonen bestehen. 

Dies betrifft in erster Linie eine Aufwertung der Bedeutung des Vaters, aber auch einer Pflegemutter, zu der Kinder oft intensive Beziehungen aufbauen. Hierbei wird jedoch beobachtet, dass das Kind eine deutliche Unterscheidung zwischen den verschiedenen Bindungspersonen vornimmt, indem es ihnen unterschiedliche Funktionen zuordnet (z.B. bleibt die leibliche Mutter häufig die zentrale Bindungsperson, an die das Kind sich vorrangig wendet, wenn es sich schlecht fühlt). 

Selbst sehr kleine Kinder sind in der Lage, etwa die Beziehung zu einer Tagesmutter in einer Kindertagesstätte auf einen funktionalen Aspekt zu reduzieren, wenn sie vorher zu ihrer primären Bindungsperson eine sichere Bindung aufgebaut haben. Die Eingewöhnung gelingt nachweislich besser, wenn das Kind in der Anfangsphase von der Mutter begleitet und somit schonend in die neue Situation eingeführt wird."

Quelle: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/ERZIEHUNG/Bindung.shtml

Ich als Tagesmutter habe die Aufgabe auf die Bedürfnisse der Kinder zu achten und diese zu deuten. Viele kommen bereits im Babyalter zu mir und können noch nicht mit Worten sagen, was sie bedrückt, was ihnen Angst macht, was sie wollen oder was nicht. Durch die Eingewöhnungszeit hilft mir die Bezugsperson die Signale des Kindes richtig zu deuten und darauf richtig zu reagieren. Das Kind fühlt sich so angenommen, ernst genommen und sicher.

"Das Konzept der Feinfühligkeit der Bindungsperson gegenüber den Signalen des Kindes wurde von Mary Ainsworth durch ihre Forschungsarbeiten entdeckt. Für die Entwicklung einer sicheren Bindung ist es wichtig, dass sich die jeweilige Bindungsperson dem Kind gegenüber feinfühlig verhält. Dies bedeutet, dass sie die kindlichen Verhaltensweisen wahrnimmt, die Signale des Kindes richtig interpretiert und angemessen und prompt, entsprechend dem Alter des Säuglings, auf die Bedürfnisse des Kindes reagiert. Das so versorgte Kind entwickelt allmählich ein Gefühl der Tüchtigkeit und Selbstbestimmung, weil seine Bindungswünsche als auch seine Neugier-Impulse verstanden und akzeptiert werden."

Quelle: http://www.kindergartenpaedagogik.de/1722.html

Mir ist es wichtig, dass die Kinder zu mir eine möglichst sichere Bindung aufbauen. Deshalb ist es notwendig, dass ich feinfühlig mit ihnen umgehe und ihre Bedürfnisse ernst nehme und vor allem, dass ich die Kinder verstehe. 

Sozialverhalten

Es ist faszinierend die Kinder in diesem Alter (unter 3 Jahren) zu beobachten. Sie sind alle so unterschiedlich entwickelt und jedes hat seine eigene, unverkennbare Persönlichkeit. In einer Gruppe ist es immer wichtig, dass man aufeinander achtet, Rücksicht nimmt und einander respektiert. Das kann man auch schon mit kleinen Kindern trainieren und fördern. 

Es darf so z. B. nicht über andere Kinder hinweg gekrabbelt werden, nicht geärgert werden und auch die Schnuller und die Flaschen gehören jeweils nur einem bestimmten Kind (das lässt sich leider nicht immer kontrollieren). Die Kinder lernen teilen, warten, miteinander spielen, sich zu wehren und auch mal stark zu sein, wenn ein anderes Kind weint.

 

Hilf mir es selbst zu tun - Die Kinder dürfen hier vieles selbstständig erfahren und ausprobieren. Sie werden bei allem miteinbezogen und lernen somit bald Schuhe anziehen, Matschkleidung an- und ausziehen, aus dem Glas trinken, sich selbst einschänken, beim Essen zubereiten zu helfen, den Tisch abzuwischen, auch mal Fenster in der Spielecke zu putzen und zu kehren.

     

Kindorientiert arbeiten

Ich gehe bei meiner Arbeit mit den Kindern auf die verschiedenen Bedürfnisse der Kinder ein. Ich schaue, was sie gerade beschäftigt und versuche die Themen aufzugreifen und die Kinder zu unterstützen.

Beispiel von 2012: Gerade sind alle Kinder, die ich betreue, ca. 1 Jahr alt. Wir üben Körperteile zeigen und wiedererkennen, suchen Tiere in Bilderbüchern und sortieren Formen. Das sind die Dinge, die die Kinder gerade gerne machen und die sie interessieren. Ich nutze also das Interesse der Kinder um ihnen etwas beizubringen. Kinder in dem Alter sind neugierig und wollen von sich aus die Welt erforschen. Dies unterstütze ich und ermutige die Kinder Dinge auszuprobieren und kennen zu lernen.